Das Manifest

Die dresdner schmalfilmtage haben sich seit der Erstauflage 1997 zu einem anerkannten Forum für die deutsche und internationale Schmalfilmszene entwickelt. Das unkonventionelle Filmfestival stellt dokumentarische, künstlerische oder fiktionale Filmproduktionen in den Mittelpunkt, die eines gemeinsam haben: Sie wurden originär auf Schmalfilm realisiert.

Ob in den Filmformaten 8mm (in all seinen Varianten), 9,5mm oder 16mm – für die mediale Entwicklung im 20. Jahrhundert kommt dem Schmalfilm eine besondere Bedeutung zu. Ähnlich der Fotografie, erreichte er eine außerordentliche gesellschaftliche Verbreitung und Popularität sowie eine wichtige Stellung im Bereich des künstlerischen Films.

Das preiswerte Material garantiert eine unabhängige Filmproduktion, gleichzeitig bleibt der Schmalfilm von einer Flut willkürlicher Bilder, wie im Videobereich, weitgehend verschont. Klassisch ambitionierte Amateurfilmer, Künstler und Fachfremde haben stets die handliche und günstige Art des Filmemachens ohne Schere im Kopf für die wildesten Experimente und privatesten Bildpoesien verwandt. Vielfach begleitet die Kamera ihre enthusiastischen Nutzer durch alle Lebenslagen. Die Aufnahmen im kleinen Format, die sowohl im Kreise von Heim und Familie als auch in den weitverzweigten kulturellen und künstlerischen Undergroundszenen entstanden sind und noch entstehen, stellen vielfach einzigartige sozial- und filmgeschichtliche Zeugnisse dar. Diese Authentizität des äußerst demokratischen Mediums mit Anspruch nutzen die Schwestermedien gern. So schmücken sich heutzutage immer häufiger Musikvideoclip, Spielfilm und Dokumentarbericht mit Schmalfilmausschnitten um (der Poesie) der Wirklichkeit ein Stück weit näher zu kommen.

Während die Fotografie, wie auch der 16mm-, 35mm- und digitale Film seine etablierten Ausstellungs- und Spielorte gefunden haben, fehlen vergleichbare Foren weitgehend für den Schmalfilmbereich. Eine ganze Epoche medialer Geschichte wird damit nicht repräsentiert. Viele alte Produktionen sind in der Versenkung verschwunden und Unmengen von Material noch nicht einmal erschlossen. Filmemacher, die heute noch auf Super8 drehen werden als Paradiesvögel oder Dilettanten belächelt. Vernachlässigt wird dabei oft die ureigene Ästhetik des Schmalfilms, die auf Grund der markt- und mainstreamfernen Produktionsbedingungen abseits der allgemeinen Entwicklung zur filmästhetischen Normierung liegt. Die dresdner schmalfilmtage haben sich vor diesem Hintergrund zu einer offenen Plattform für Filmschaffende, Filmhistoriker und Filminteressierte entwickelt, die bemüht sind, der Vielschichtigkeit der historischen wie auch aktuellen Schmalfilmproduktion, dem anderen Bild im Spektrum von ‚Kunst’ bis ‚Trash’ gerecht zu werden.